Ein Kolibri Namens Taubenschwänzchen

Im Urlaub hatte ich ein Zusammentreffen mit einer besonderen Art. Bei dem Besuch eines Kräutergartens war nicht nur ich von der Vielzahl an Gerüchen gefesselt. Ein kleiner Geselle schwirrte dort ebenfalls ganz aufgeregt hin und her.

Ein Kolibri? …aber nein …es war nur

Macroglossum stellatarum, das Taubenschwänzchen gehört zu den Nachtfaltern und der Familie der Schwärmer. Es wird auch Taubenschwanz oder Karpfenschwanz genannt. Der Name wurde von dem zweigeteilten Haarbüschel am Hinterleibsende abgeleitet, welches mit den Schwanzfedern von Tauben vergleichbar ist.

Wegen seines Schwirrfluges, wird es auch Kolibrischwärmer genannt. Durch diesen auffälligen Flugstil wird diese Schmetterlingsart nicht selten mit Kolibris verwechselt und so kommt es häufig zu vermeintliche Kolibrisichtungen in Europa.

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Typisch ist auch der recht lange Saugrüssel. Mit diesem 25 bis 28 mm langen Saugrohr können die kleinen Kerlchen bis zu 100 Blüten in der Minute aussaugen. Bedingt durch ihr Flugverhalten ist dies aber auch von Nöten, da sie einen recht hohen Energieverbrauch haben. Um die erforderlichen 0,5 Milliliter Nektar pro Tag sammeln zu können, müssen entsprechend viele Blüten in kurzer Zeit angeflogen werden. Da kommen über den Tag je nach Nektarqualität schon 1300 bis 5000 Blüten zusammen. Deshalb wird ein großes Futterangebot mit möglichst kurzen Wege bevorzugt. Hier bieten sich Doldenblüher ausgezeichnet an, so können sie nacheinander die Blüten einer Pflanze mit ruckartigen Bewegungen abfliegen. Dabei können sie nicht wählerisch sein und fliegen die Blüten dutzender Pflanzenarten an. Somit stellen sie sicher, dass sie zu jeder Jahreszeit das vorliegende Angebot an Nektarquellen optimal ausnutzen können. Bevorzugt werden dabei aber möglichst schmale und lange Blüten, welche von anderen Insekten nicht so leicht erreichbar sind und somit die Konkurenz verringern.

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Taubenschwänzchen sind ausgezeichnete Flieger. Sie stehen im Schwirrflug vor den Blüten und saugen mit ihrem langen Saugrüssel. Dieser wird bereits beim Anflug ausgerollt und zielsicher in die Blütenkelche eingeführt. Sie können sogar auch rückwärts fliegen. So sind sie in der Lage, kleinste Pflanzenbewegungen, die durch Wind verursacht werden, perfekt durch ihren Flug auszugleichen. Dadurch bleibt der Abstand zur Blüte immer konstant. Die Flügel schlagen ungefähr 70 bis 90 mal in der Sekunde und bringen es auch im Streckenflug auf bis zu 80 km/h. Weshalb es mir wohl nicht so leicht gefallen ist, sie in der Bewegung einzufrieren.

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Obwohl sie ja eigentlich zu den Nachtfaltern gehören, sind die Taubenschwänzchen in erster Linie tagaktiv. Selbst an stark bewölkten Tagen, bei Regen und bei Temperaturen um 10 °C sind sie aktiv. Jede sich bietende Wärmequelle wird daher auch gerne genutzt. Nicht selten findet man sie mit geöffneten Flügeln auf sonnenbeschienenen Steinen. Abends versammeln sie sich oft zu Schlafgemeinschaften auf meist vertikalen, von der Sonne aufgewärmte Felsflächen.

Gruss Jürgen

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